Presseerklärung der Initiative aus Anlass des Austauschs der Gedenktafel in der Kunsthalle Bielefeld Mitte August 2017

Der Austausch der Gedenktafel, die in der Kunsthalle Bielefeld an Richard Kaselowsky erinnert, ist ein Meilenstein für die Kunsthalle Bielefeld. Er ist auch ein Meilenstein für die Bielefelder Bevölkerung und deren Erinnerungskultur. Und er ist natürlich ein Erfolg für alle Menschen, die sich seit 1968 gegen die Benennung der Kunsthalle nach Richard Kaselowsky und gegen das öffentliche Gedenken an ihn engagiert haben. Mit dem Austausch der Tafel geht zu Ende, was mit dem Anbringen und mit der Namensgebung immer wieder zu vielfältigen und phantasievollen Protestaktionen Anlass gegeben hatte. Als Teil dieser bürgerschaftlichen Protestbewegung veröffentlichen wir diese Erklärung.

Richard Kaselowsky, der Stiefvater Rudolf August Oetkers war Mitglied und Förderer der NSDAP und Mitglied im „Freundeskreis Reichsführer SS Heinrich Himmler“, einem Kreis von Industriellen, die Himmler und derSS zwischen 1936 und 1944 jährlich mit ca. 1 Million Reichsmark spendeten. Das hielt den damaligen Oberbürgermeister und die Stadtratsmitglieder nicht davon ab, auf Wunsch Rudolf August Oetkers die Bielefelder Kunsthalle nach Kaselowsky zu benennen und ihn mit der Tafel im Eingangsbereich zu ehren:

Den Opfern des zweiten Weltkrieges Unserer Stadt
Unter ihnen Mein zweiter Vater Richard Kaselowsky Rudolf August Oetker

Auf Wunsch des ehemaligen Mitglieds der Waffen-SS Rudolf August Oetker wurde so einer der nationalsozialistische Täter zu einem Opfer umgedeutet. Auf der alten Tafel sprach Oetker quasi als Hausherr und verfestigt damit bis heute die Legende, dass er den Bau der Stadt geschenkt habe. Tatsächlich finanzierte die Firma Oetker faktisch nicht mehr als etwa ein Drittel der Baukosten. Die Folgekosten tragen bis heute die Bürgerinnen und Bürger von Bielefeld, sie ist IHR kostbarer Besitz.

1998 erfolgt nach erneuten Protesten, die eine breite überregionale Öffentlichkeit fanden, die Umbenennung des Museums in „Kunsthalle Bielefeld“. Rudolf August Oetker zog daraufhin seine Leihgaben ab, die Gedenktafel blieb an ihrem Platz.

Angestoßen durch ein Flugblatt unserer Initiative vom 30. April 2016 (zu den Nachtansichten) fassten die Gremien der Stadt Bielefeld den Beschluss, die Gedenkplatte durch eine neue Tafel zu ersetzen:

Im Gedenken der Opfer des zweiten Weltkrieges unserer Stadt hat die Familie OETKER den Bau dieser Kunsthalle ermöglicht.

Im Jahr 2001, drei Jahre nach der Umbenennung der Kunsthalle beschloss der Rat der Stadt unter Bürgermeister David aus Anlass des 85. Geburtstags von Rudolf August Oetker gegen erneute Proteste den Abschnitt der Hochstraße, an dem sich das Haus der Familie Kaselowsky befunden hatte, in Kaselowskystraßeumzubenennen und so den Namen Kaselowsky wieder im öffentlichen Stadtraum sichtbar zu machen.

Nach dem Beschluss der politischen Gremien heißt die Kaselowskystraße seit dem 31. Januar 2017 wieder Hochstraße.

Die Ehrung und der Name von Richard Kaselowsky sind nun aus dem Bielefelder Stadtbild verschwunden. Wir freuen uns riesig über diesen Erfolg und danken allen Beteiligten.

Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass die Geschichte des Baus, der Namensgebung und der Umbenennungen in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv dokumentiert und für alle Interessierten vor Ort zugänglich gemacht wird.

Die Kunsthalle mit der neuen Tafel ist nach der Sommerpause ab 2. September wieder für Besucher geöffnet.

Nachfragen möglich unter nokaselowsky(at)riseup.net

Leserbrief zur Entfernung der Gedenkplatte

Zu der Entfernung der Gedenkplatte hat Peter Gieselmann folgenden Leserbrief geschrieben.:

Die „Neue Westfälische“ berichtete am Freitag (4.8.) auf den Bielefeld Seiten über die neue Gedenktafel in der Kunsthalle Bielefeld und am Samstag darüber, dass die Inschrift zu Irritationen – mehr sprachlich als inhaltlich – geführt hatte. Meine Inhaltlichen Bedenken beziehen sich auf den Kreis der Opfer, deren Gedenken die Kunsthalle gewidmet sein soll.
Bei der Formulierung „Opfer des 2. Weltkrieges unserer Stadt“ sind doch nur die bei kriegerischen Handlungen getöteten (und Verletzten) Bielefelder, kurz: die aus Bielefeld stammenden Soldaten und die Zivilopfer der Bombenangriffe auf Bielefeld gemeint.
Im nationalistischem Jargon formuliert hieße dieses Gedenken etwa so: Wir gedenken unserer Soldaten die im Kampf gegen unsere Erzfeinde im Westen ihr Leben ließen und der tapferen Kämpfer die von den Truppen der Untermenschen im Osten hingerafft wurden so wie unserer Mitbürger die an der Heimatfront dienten und die durch den Terror der feindlichen Bomber den Tod fanden.
Ich will keinem eine derartige Denke unterstellen (auch nicht der Familie Oetker), nur dadurch verdeutlichen, dass es auch in der „unverfänglicheren“ Formulierung nicht hinnehmbar ist, mit einem solch degeneriertem Opfergedenken in einem öffentlichen, der Stadt gehörendem Gebäude im Eingangsbereich Gäste zu „begrüßen“, zumal ja insbesondere auch auswärtige/ausländische Gäste unser Kunsthaus besuchen sollen.
Bliebe es bei der Formulierung könnte sich Bielefeld wohl rühmen, das weltweit monumentalste und bekannteste Denkmal für ihre „Zweiteweltkriegsopfer“ zu besitzen. (mehr…)

Gedenktafel in der Kunsthalle wurde ausgetauscht

Neue Gedenkplatte in der Kunsthalle BielefeldLaut Bericht der Neuen Westfälischen vom 3.08 wurde die Gedektafel in der Kunsthalle inzwischen ausgewechselt.:

NW vom 3.08.2017: Oetker: Name Kaselowsky wegen Nazi-Vergangenheit entfernt

Kaselowskystraße offiziell in Hochstraße umbenannt

Laut einem Artikel der Neuen Westfälischen vom 16.02.2017 heißt die Kaselowskystraße seit Freitag dem 17.02 wieder Hochstraße.:

Die Kaselowskystraße in Bielefeld heißt ab Freitag wieder „Hochstraße NW vom 16.02.2017

Update:
Hochstrassenschild und Kaselowskystrasse durchgestrichenTrotz der Pressemitteilung der Stadt wurde real der Schilderaustausch erst Mitte April vorgenommen und zwar ‪durch die Anbringung eines zweiten Schildes mit der Bezeichnung Hochstraße und Durchstreichung der Kaselowskystraße. Dieses wird für eine halbjährige Übergangszeit so bleiben und im Oktober wird das Kaselowskystraßenschild dann endgültig abmontiert.

Artikel in Le Point über Oetkers Kunstsammlung

In dem französischen Politikmagazin Le Point erschien am 19.01.2017 ein Arikel über die Kunstsammlung Oetker.:

Le Point vom 17.01.2017 im Pressreader

Der geplante Artikel war der eigentliche Grund von Oetker die Sammlung auf eventuelle Raubkunst zu untersuchen1, insbesondere da die Anwälte des Oetker Konzerns über den geplanten Artikel informiert waren.

  1. Neue Westfälische vom 10.01.2017 [zurück]