1888 Am 14. August 1888 wird Richard Kaselowsky in Bielefeld geboren. Nach Banklehre, Jura-Studium, Armeedienst und Promotion heiratet er

1919 am 14. August 1919 Ida Oetker, die Witwe von Rudolf August Oetker. Damit steigt er in die Firma Oetker ein, wird bald Teilhaber und etwas später zur bestimmenden Person im Unternehmen.

1933 Am 20. April, Hitlers Geburtstag, tritt er offiziell der NSDAP bei.

1933 Am 14. August 1935 fusionieren die „Westfälischen Neuesten Nachrichten” und das „NS-Volksblatt für Westfalen” und werden auf diese Weise endgültig im Sinne der Nazis gleichgeschaltet. Als Verleger, Teilhaber und Aufsichtsrat der Gundlach AG, die die „Nachrichten” herausgibt, spielt Kaselowsky dabei eine entscheidende Rolle – auf Bitten von Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess. Bald darauf erhält die Firma Gundlach den Druckauftrag für das „Gaublatt der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes Westfalen-Nord”.

1935 Seit 1935 nimmt Kaselowsky – auf Einladung von Adolf Hitler – mehrmals als Betriebsführer im Gau Westfalen-Nord als Ehrengast an den Nürnberger Parteitagen teil.

1937 Am 30. April 1937 wird dem Unternehmen Oetker als einem der ersten 30 deutschen Betriebe von Adolf Hitler persönlich das Prädikat „Nationalsozialistischer Mustebetrieb” verliehen. 1938 kommt ein Leistungsabzeichen für vorbildliche Förderung von „Kraft durch Freude” und ein Jahr später Gaudiplome der Deutschen Arbeitsfront für die Oetker-Werke in Danzig und in Hamburg-Altona hinzu.

1939 Spätestens seit 1939 ist Kaselowsky Mitglied im Freundeskreis Reichsführer SS Heinrich Himmler. Dieser Zirkel, dem zunächst nur 20 deutsche Unternehmer und Bankiers angehören, nimmt an NSDAP-Parteitagen teil, beteiligt sich ander Weihe von SS-Offzieren und spendet große Geldmengen an Himmler für seine Projekte. Mit zweimal 40.000 Mark spendet Kaselowsky kaum weniger als die Deutsche und die Dresdner Bank. Auch Ida Kaselowsky tritt der NSDAP bei und ist im Vorstand der Bielefelder NS-Frauenschaft aktiv.

1944 Am 30. September 1944 werden Richard, Ida Kaselowsky und zwei ihrer Töchter in ihrem Privatbunker in der Hochstraße bei einem Bombenangriff getötet.

1959 Am 4. September 1959 teilt Bielefelds Oberbürgermeister Arthur Ladebeck (SPD) nach einer Ratssitzung Rudolf August Oetker mit: „Ihr Wunsch, das Haus (= die Kunsthalle) zur Erinnerung an ihren Stiefvater zu benennen, fand allgemeine Zustimmung.”

1965 Im Jahr 1965 fasst der Bielefelder Rat den Entschluss, das neue Museum „Richard Kaselowsky Haus – Kunsthalle der Stadt Bielefeld” zu nennen. Das Gebäude wird unter anderem von den Architekten Philip Johnson und Cäsar Pinnau gestaltet, der eine 1934 Mitbegründer der profaschistischen National Party in den USA, der andere Mitarbeiter des wichtigsten NS-Architekten Albert Speer.

1968 1968 wird eine von Oetker gewünschte Gedenktafel für Richard Kaselowsky im Eingangsbereich des Gebäudes angebracht. Die Inschrift lautet: „Den Opfern des zweiten Weltkrieges unserer Stadt, unter ihnen mein zweiter Vater Richard Kaselowsky. Rudolf August Oetker”. Der Opfer rassistischer und politischer Verfolgung wird damit ebenso wenig gedacht wie erwähnt wird, dass Kaselowsky die staatliche Vernichtung von Andersdenkenden zumindest duldete. Die Kunsthalle soll am 27. September 1968 eingeweiht werden. Am 16. September richten die Sozialistische Jugend „Die Falken” und mehrere Jugendorganisationen die Bitte an die Familie Oetker und den Bielefelder Stadtrat, davon Abstand zu nehmen, Kaselowsky ein öffentliches Denkmal zu setzen. Der politische Club „Linke Baracke” fordert eine öffentliche Diskussion über die Namensgebung.
In Folge sagen unter anderem NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn und Bundesjustizminister Gustav Heinemann ihre Anwesenheit ab. Der Komponist Heinz Werner Henze, der eigens ein Konzert uraufführen wollte, empört sich, man habe ihn zum „Lakaien des reichen Herrn” gemacht. Am 18. September soll die von Oetker gewünschte Namensgebung nochmals in einer öffentlichen Sitzung des Stadtrates bestätigt werden, da so Oberbürgermeister Herbert Hinnendahl (SPD) – „Herr Kaselowsky per- sönlich keine Verbrechen begangen hat”. Zu dieser Sitzung werden Mitarbeiter der Stadtverwaltung zur Anwesenheit zwangsverpflichtet, Jugendliche nicht eingelassen und die Außentüren des Rathauses verriegelt. Politische Parteien verurteilen den „Belagerungszustand” im Rathaus, die Presse berichtet über den „Skandal in Bielefeld”, die Feier wird abgesagt und alle 1.200 zur Einweihungsfeier avisierten Gäste werden wieder ausgeladen. Noch im Jahr 1968 bestätigt der Bielefelder Stadtrat, in dem die SPD die absolute Mehrheit hat, den 1965 gewählten Namen der Kunsthalle. Die folgenden 30 Jahre bleibt „Kaselowsky-Haus” Teil der offiziellen Bezeichnung der Kunsthalle, wird aber im öffentlichen Sprachgebrauch nicht verwendet: Kunsthallendirektor Ulrich Weisner vermeidet diese Formulierung und behält schlicht „Kunsthalle Bielefeld” bei.(siehe www.bielefeld.de)

1971
Die Blätter des Bielefelder Jugenkulturringes decken nach Rückfrage an R. A. Oetker auf, dass der Oetker-Konzern die Kunsthalle, auf Grund der Absetzungsmöglichkeiten von Spenden, real nur zu einem Drittel bezahlt hat (siehe Brief von Oetker Seite 1 und Brief von Oetker Seite 2).

1994 Frank O. Gehry macht einen Vorschlag für einen Anbau für die Kunsthalle (siehe en.wikipedia.org/wiki/Kunsthalle_Bielefeld). Dieser ist, insbesondere auf Grund der Ablehnung von der Ehefrau von Rudolf-August Oetker (Maja Oetker), welche den Dekonstruktivismus als dekadent bezeichnet hat, nie realisiert worden(siehe www.db-bauzeitung.de). Dieses soll eine besondere Motivation für Gehry gewesen sein den Auftrag für das Marta Museum in der Nachbarstadt Herford anzunehmen.

1995 1995 versucht der neue Leiter der Kunsthalle Thomas Kellein angesichts eines schrumpfenden Budgets Oetker als Sponsor zu gewinnen und führt den Namenszusatz „Richard Kaselowsky Haus” im Briefkopf, bei Ankündigungen und auf Plakaten wieder ein.

1997
Mitte 1997 keimt die politischen Bewegung zur Umbennung der Bielefelder Kunsthalle wieder auf (siehe www.klausmoeller.net).

1998 steht die Umwandlung der Kunsthalle in eine Stiftung an. Oetker soll mit einem Drittel des Stiftungskapitals beteiligt sein und macht dies davon abhängig, dass es bei der Bezeichnung „Kunsthalle Bielefeld – Richard Kaselowsky Haus” bleibt. Im Stadtrat herrscht zunächst fraktionsübergreifende Einstimmigkeit, auf diese Bedingung einzugehen.
Die Wissenschaftler- und Künstlerinitiative „Leidenschaft für die Kunst” macht mit Veröffentlichungen, Vorträgen und Happenings das Skandalöse dieser Namensgebung und das politisch instrumentalisierte Mäzenatentum publik. Die Radio-Gruppe des AJZ-Bielefels produziert eine Radiosendung über Kaselowsky und die Kunsthalle im Rahmen des Bürgerfunks(siehe RadioSendungKunsthalleBielefeld.mp3). Die Ausstrahlung wird von Radio Bielefeld auf Grund des Wunsches der Oetker Familie verweigert. Nach Beschluss der Landesmedienanstalt musste der Beitrag dann doch gesendet werden(siehe Die Oetkers: Geschäfte und Geheimnisse der bekanntesten Wirtschaftsdynastie). Die Kunsthistorikerin Irene Below engagiert sich besonders gegen den Namen, weswegen sich der damalige damalige Leiter Thomas Kellein sich sogar an das Schulamt gewendet hat, da er sich von dort Unterstützung gegen diese ,wild gewordene Lehrerin‘ versprach (siehe der-bielefelder.de).
Der Hauptvorstand der IG Medien fordert in einer Presseinformation eine Namensänderung. Der renommierte Sozialhistoriker Hans-Ulrich Wehler spricht von einer „Verletzung der politischen Scham”, da er Kaselowsky „zu den wenigen Auserwählten … eines klassischen Großschlächters des Dritten Reiches” zählt. Der Skandal zieht bundesweite Kreise, so dass selbst die FAZ der Oetker-Familie eine „nationalsozialistische Vergangenheit” bescheinigt. In der SPD schwindet die Unterstützung für die Kaselowsky-Benennung. Doch die Familie Oetker gewinnt Oberbürgermeisterin Angelika Dopheide (SPD) für die Idee, nun die Kunsthalle in „Ida-Kaselowsky-Haus” umzubenennen. Die NS-Vergangenheit der Frau von Richard Kaselowsky wird durch Recherche beim Document Center enttarnt; Oetkers ziehen ihren Vorschlag zur Namensänderung der Kunsthalle zurück.
Ein Einwohnerantrag liefert den Schlussstrich unter der Debatte. Er lautet: „Der Rat der Stadt Bielefeld wird aufgefordert zu beschließen: Die Bielefelder Kunsthalle heißt in Zukunft nur noch ‘Kunsthalle Bielefeld’. Der bisherige Namenszusatz ‘Richard-Kaselowsky-Haus’ wird gestrichen.” (siehe
Einwohnerantrag zur Umbenennung der Kunsthalle von 1998 (jpg))
Unter diesem politischem Druck entscheidet sich die Bielefelder SPD- Fraktion schließlich für die offizielle Bezeichnung „Kunsthalle Bielefeld”. Rudolf August Oetker kündigt darauf hin seine finanzielle Unterstützung und zieht seine Leihgaben aus der Kunsthalle zurück.

2001
Zum 85. Geburtstag von Rudolf-August Oetker wurde 2001 die Straße, an der die Villa von Kaselowsky stand, in ‚Kaselowskystraße umbenannt. Nach 2001 gab es Proteste gegen die Straßenbenennung.

2002
Das Strassenschild der Kaselowskystraße wird von Unbekannten abmontiert (siehe www.webwecker-bielefeld.de).

2006
Die Nachfahren des jüdischen Kaufmanns Leo Bendel treten an die Oetker Familie heran um wegen dem im dritten Reich von Oetkers erworbenen Gemälde der Hexenmeister eine Einigung gemäß der Waschingtoner Erklärung zu erzielen, die Oetker-Familie lehnt jedoch jedes Gespräch ab (siehe NW vom 6.02.2009).

2007
Rudolf-August Oetker stirbt.

2008
Der Skulpturen Park an der Kunsthalle Bielefeld wird nach alten Plänen von Johnson errichtet. Von der Gruppe Bürgernähe im Stadtrat Bielefeld wird dieses scharf kritisiert, da Johnson ebenfalls mit den Nazis symphatisiert hatte (siehe www.theguardian.com und die damalige PM der Bürgernähe PM Bürgernähe Johnson Park 2008). Ursprünglich
sollte der Park sogar Philip Johnson Park heißen, dieses wurde allerdings wegen der NS-Symphatie von Johnson verhindert, da die Grünen vor der entsprechenden Sitzung einen Artikel der Washington Post verteilt hatten, welcher die NS-Symphatie Johnsons thematisierte.

2009
Der Strassenname Kaselowsky-Strasse wird von Unbekannten überklebt und in Elli Lippmann-Strasse umbenannt (siehe de.indymedia.org).

2013
Der älteste Sohn von Rudolf-August Oetker gibt eine wissenschaftliche Studie über die NS-Vergangenheit der Oetkers in Auftrag, welche diese bestätigt (siehe www.sueddeutsche.de). Die Witwe von Oetker bezweifelt allerdings die Ergebnisse der Studie (siehe www.nw.de).

2014
Die Linke bringt den Antrag in den Stadtrat Bielefeld ein, dass die Kaselowskystrasse umbenannt werden soll. Dieser wird von Grünen und SPD u.a. mit der Begründung abgelehnt, dass nach der Kommunalwahl eine ausführlichere Behandlung der Thematik besser sei (siehe dielinke-bielefeld.de und www.die-viertel.de/index.php/inhalt-24.html).

2015
Das neueröffnete Cafe der Kunsthalle wird nach dem Architekten der Kunsthalle und NS-Sympathisanten Phillip Johnson „Johnson’s“ benannt (siehe www.nw.de).

2016
Bei der langen Nacht der Mussen verteilt die Initiativgruppe Anti-Kaselowsky Flyer vor der Kunsthalle, die über die Kaselowsky-Gedenkplatte aufklären (siehe bielefeld-steigt-ein.de). Mitarbeiter der Kunsthalle ( bzw nach Auskunft von dem Kunsthallenleiter Herrn Meschede Mitarbeiter von Bielefeld Marketing) fordern die Initiative auf, den Platz vor der Kunsthalle zu verlassen. Da es sich um quasiöffentliches Grundstück handelt, wird die Aufforderung ignoriert.
Da die Flyer von der Kunsthalle nicht and den Stadtrat weitergeleitet wurden, wurde einige davon an die Stadt geschickt. Die Verwaltung hat dieses dankenswerterweise als Bürgerbegehren interpretiert und es wurde daher im Bürgerausschuss behandelt. Dieser entschied, dass dieses an den Hauptausschuss weitergeleitet wird. Der Bürgermeister der Stadt Bielefeld versuchte unterdessen eine einkömmliche Einigung mit dem Oetker-Konzern, welche auf eine Beschlussvorlage im Ältestenrat der Stadt Bielefeld hinausläuft (siehe antikaselowsky.blogsport.de). Dieser wurde dann vom Hauptausschuss am 22. September 2016 entsprechend verabschiedet (siehe Sitzung 22.09.2016 Haupt-, Wirtschaftsförderungs- und Beteiligungsausschuss).

2017 Die Straßenumbennung wird erst am 31 Januar 2017 vom Stadtentwicklungsausschuss endgültig beschlossen, da zuvor die AnwohnerInnen befragt werden mussten und die beiden beteiligten Bezirksvertretungen(Mitte und Gadderbaum) ebenfalls zustimmen mussten (siehe Sitzung 31.01.2017 Stadtentwicklungsausschuss).
Am 17.02 gibt es eine Presseerkärung der Stadt, dass das Straßenschild durch Hochstraße ersetzt wird(siehe NW vom 16.02.2017 ). Real findet die Anbringung des Hochstraßenschildes erst im April statt und hängt dann, wie gesetzlich vorgeschrieben, 6 Monate zusammen mit dem durchgestrichenen Kaselowskyschild.
Die Gedenkplatte in der Kunsthalle wurde laut Bericht der NW Anfang August 2017 ausgewechselt. Kurz danach meldet sich die Witwe von Rudolf-August Oetker zu Wort und empört sich über die Ausradierung des Namens ihres Mannes von der Gedenkplatte (siehe NW vom 16.08).

Erweitert und Aktualisiert von der Broschüre der Linken.: dielinke-bielefeld.de (PDF)




Foto von Klaus Moeller: Oetkers Kaselowsky Nazi Pizza