Faktencheck zur Übernahme der gesamten Baukosten der Kunsthalle des Oetker-Konzerns

Fehlerhaftes Schild ueber die Finazierung der Kunsthalle „Die Dr.-August-Oetker-Stiftung übernahm die gesamten Kosten des Baus und der Inneneinrichtung. Die Stadt musste nur das Grundstücks stellen“ – so die Neue Westfälische vom 16.8.2017. Diese Legende von der Schenkung der Kunsthalle hält sich in Bielefeld zäh und wird jetzt auch in der NW wiederholt.

Hier der Faktencheck:

In der Vereinbarung von 1959 zwischen Oberbürgermeister Arthur Ladebeck und Rudolf August Oetker war noch von einer Schenkung des gesamten Baus die Rede. Dazu kam es in der Folgezeit aber nicht. Oetker beteiligte sich statt dessen im Rahmen einer Spendenlösung nur zu einem Drittel an den Kosten von 12,5 Millionen DM. 1970 schrieb Rudolf August Oetker an Michael Schibilsky, den Redakteur der damals engagiert und investigativ recherchierenden „Blätter“ des Jugendkulturrings:

„Im Laufe der Zeit waren auch die Preise gestiegen und, als der Bau einer Kunsthalle begonnen werden konnte, kostete er insgesamt DM 12,5 Mio. Die Firma Dr. August Oetker zusammen mit anderen Firmen der Oetker-Gruppe hat sich
seinerzeit verpflichtet, davon DM 8 Mio. zu zahlen, und die Hälfte des darüber hinausschießenden Betrages, so daß insgesamt DM 10,25 Mio. von der Oetker- Gruppe aufgewendet wurden. … Sie wissen vielleicht, daß Spenden dieser Art an die Stadt Bielefeld von der Steuer absetzbar sind, d.h. von der steuerpflichtigen Summe abgezogen werden können. Dabei werden Steuern in Höhe von 55% gespart …, so daß mich der Bau persönlich 4,6 Mio. DM gekostet hat.1 2

Die Kunsthalle war also eine teure Gabe – sowohl für die Steuerzahler*innen, die 2/3 der Baukosten trugen wie für die Stadt, die das Grundstück bereit stellte und von 1968 und 1998 über 70 Millionen DM für das Museum aufgewendet hat. Die Legende von der Schenkung sollte die in Deutschlands Museumslandschaft singuläre Tatsache legitimieren, dass ein öffentliches Kunstmuseum nicht nach einem Künstler, Sammler, Stifter oder Museumsleiter benannt wurde, sondern errichtet wurde als Gedenkstätte für zwei Unternehmerfamilien und als Erinnerungsmal für einen hochrangigen Funktionsträger des nationalsozialistischen Systems in der Region.

  1. Brief von Oetker wegen Beteiligung an den Baukosten der Kunsthalle an den Bielefelder Kulturring Seite 1 (jpg)
  2. Brief von Oetker wegen Beteiligung an den Baukosten der Kunsthalle an den Bielefelder Kulturring Seite 2 (jpg)